Questions and answers: Kündigung, Sabbatical oder unbezahlter Urlaub?

Q2: Kündigung, Sabbatical oder unbezahlter Urlaub für die Weltreise?

Job kündigen? Sabbatical? Unbezahlter Urlaub? Wenn einmal die Entscheidung zur Weltreise gefallen ist, steht da noch so eine nicht ganz unberechtigte Frage im Raum. Der Elefant im Porzellanladen sozusagen. Auch wir mussten diese Frage lösen. Welche Möglichkeiten es gibt und welchen Weg wir eingeschlagen haben, erfahrt ihr hier.

Quick Links

1. Option: Kündigung
2. Option: Unbezahlter Urlaub
3. Option: Sabbatical


Wir sind beide seit ca. 3 Jahren berufstätig. Helena als PR- und Julian als M&A-Berater. Klassische Festanstellungen also. Die Entscheidung, zu kündigen, ein Sabbatical einzulegen oder unbezahlten Urlaub zu nehmen, können wir euch leider nicht abnehmen. Diese Frage muss jeder Weltreisende für sich selbst beantworten. Achtung Spoiler: Wir beide haben uns für unterschiedliche Wege entschieden. Mit welchen Herausforderungen wir konfrontiert wurden und welche Voraussetzungen an die einzelnen Optionen geknüpft sind, findet ihr hier.

Ganz oder gar nicht – Ich kündige (Helenas Weg)

Ich wollte frei sein. Ohne Verpflichtungen in Deutschland. Ohne festes Rückkehrdatum. Einfach das machen, was mein Bauchgefühl mir sagt. Das hat für mich ganz klar bedeutet: Ich kündige.  

Ein Tipp vorweg: Steht zu euren Plänen und kommuniziert diese vorab so früh wie möglich gegenüber eurem Arbeitgeber. So könnt ihr besser planen und euer Arbeitgeber hat die Chance, frühzeitig Ersatz für euch zu suchen.

Gekündigt und jetzt?

Unsere Empfehlung ganz klar: Meldet euch arbeitslos. Dieser Schritt bietet euch viele Vorteile, sobald ihr von der Weltreise zurückkommt. Ihr erhaltet nach eurer Rückkehr direkt Arbeitslosengeld und seid über die Agentur für Arbeit pflichtversichert.

Selected Facts

  1. Schriftliche Kündigung: Mindestens drei Monate vor Beginn der Weltreise.
  2. Arbeitssuchend melden: Eine telefonische Arbeitssuchendmeldung reicht hierfür völlig aus. Hierbei werden eure Daten und alle relevanten Informationen zur Arbeitslosigkeit erfasst. Diese Meldung sollte idealerweise drei Monate vor Eintritt der Arbeitslosigkeit oder spätestens drei Tage nach der schriftlichen Kündigung erfolgen. Ihr könnt hier auch direkt Bescheid geben, dass ihr eine Weltreise plant. Somit erspart ihr euch unnötige Gespräche über eure Zukunftspläne und Weiterbildungsmaßnahmen.
  3. Arbeitslos melden: Der nächste Schritt ist die persönliche Arbeitslosmeldung bei eurer lokalen Agentur für Arbeit. Dieser Schritt muss persönlich erfolgen. Der Termin kann aber auch schon vor dem Eintreten der tatsächlichen Arbeitslosigkeit wahrgenommen werden.
  4. Arbeitslosengeld beantragen: Nach der persönlichen Arbeitslosmeldung sollte man  – unbedingt vor der Weltreise – Arbeitslosengeld beantragen. Grundsätzlich hat man nur Anspruch  auf Arbeitslosengeld, wenn man in den letzten zwei Jahren mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen ist und in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Daher sollte man den Antrag auf Arbeitslosengeld auf jeden Fall vor der Weltreise einreichen. Weiterer Vorteil: Ihr erhaltet direkt nach eurer Rückkehr nach Deutschland Arbeitslosengeld und die Agentur für Arbeit übernimmt eure Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld ist nach Bewilligung vier Jahre lang gültig.
  5. Am Tag vor der Weltreise muss man sich bei der Agentur für Arbeit abmelden (telefonisch oder persönlich). Der Anspruch auf Arbeitslosengeld wird dann für den Zeitraum der Weltreise ausgesetzt. Da man in dieser Zeit dem deutschen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht, gibt es auch keine Unterstützung.

Ein Jahr Urlaub nehmen – unbezahlt (Julians Weg)

Grundsätzlich happy mit dem Job, aber Bock auf ein Jahr Auszeit? So erging es mir. Kündigung wäre nur im äußersten Notfall in Frage gekommen. Auch ich habe so früh wie möglich meinen Arbeitgeber in meine Pläne eingeweiht. Gemeinsam haben wir uns auf  unbezahlten Urlaubs geeinigt. Für uns beide eine gute Lösung, die beiden Seiten ein Stück Sicherheit für die Zeit nach der Weltreise gibt.

Doch eines vorab: Grundsätzlich hat man keinen gesetzlichen Anspruch auf unbezahlten Urlaub. Nur in wenigen, für uns unerhebliche Ausnahmen, ist dies gesetzlich geregelt. Somit ist man bei dieser Variante auf ein freiwilliges Entgegenkommen des Arbeitgebers angewiesen.  

Selected Facts

  1. Während des unbezahlten Urlaubs bleibt das Beschäftigungsverhältnis an sich bestehen und wird nicht beendet. Allerdings ist man zur Arbeitsleistung selbst nicht verpflichtet, ebensowenig der Arbeitgeber zur Auszahlung des Gehalts. Trotzdem bleiben Goodies wie Kündigungsschutz oder Urlaubsanspruch bestehen. Heißt: Trotz einem Jahr unbezahlten Urlaub hat man nach der Rückkehr beispielsweise Anspruch auf die vertraglich geregelten Urlaubstage.
  2. Während des unbezahlten Urlaubs bleibt der Versicherungsschutz in der gesetzlichen Sozialversicherung (z.B. der gesetzlichen Krankenversicherung) in den ersten vier Wochen bestehen. Anschließend meldet euch der Arbeitgeber von den Sozialversicherungen ab und man muss sich selbst um seine Versicherungen kümmern.
  3. Eine vorzeitige Beendigung des unbezahlten Urlaubs ist grundsätzlich nicht möglich. Allerdings kann man mit dem Arbeitgeber eine vorzeitige Aufhebung des unbezahlten Urlaubs vereinbaren.
  4. Wird man während seines unbezahlten Urlaubs krank, hat man keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Wie überzeuge ich meinen Arbeitgeber

Da einem nicht alle Arbeitgeber direkt um den Hals fallen werden, wenn sie „unbezahlten Urlaub“ hören, haben wir euch hier die wichtigsten Benefits einer Weltreise (zumindest aus unserer Sicht) zusammengefasst. Wir hoffen, sie helfen euch, auch eure Arbeitgeber zu überzeugen.

  1. Reisen bildet – Fremde Kulturen, fremde Länder, fremde Menschen.
  2. Man sammelt Erfahrungen fürs Leben und stärkt die eigene Persönlichkeit.
  3. Jeden Tag aufs Neue lernt man mit ungewohnten Situationen umzugehen, wird flexibler, anpassungsfähiger und stressresistenter.
  4. Man lernt, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und schafft Platz für neue Ideen.
  5. Optional: Auch neue Sprachen kann man sich aneignen.
  6. und, und, und…es gibt endlos viele Argumente für eine Weltreise. Lass dein Reiseherz sprechen und du wirst sicherlich jeden von deinen Plänen überzeugen können.

Alternative: Sabbatical

Wer nicht ganz auf sein Einkommen verzichten möchte oder kann, für den könnte ein Sabbatjahr – oder auch Sabbatical genannt – die richtige Lösung sein. Wir haben uns beide nicht für diese Option entschieden, uns aber natürlich damit beschäftigt. Deswegen hier die wichtigsten Fakten.

Selected Facts

  1. Grundsätzlich gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical. Somit ist man auch hier auf die Kulanz des Arbeitgebers angewiesen.
  2. Beim Sabbatical handelt es sich um ein Arbeitszeitmodell, bei dem man…
    • während der Ansparphase vollzeit arbeitet, sich aber nur einen Teil des Gehalts (z.B. 75%) auszahlen und den Rest auf ein Zeitwertkonto einzahlen lässt (man verzichtet also auf einen Teil seines Lohns). Der angesparte Betrag wird einem dann während des Sabbaticals monatlich ausbezahlt. Oder
    • sich mit dem Arbeitgeber auf ein Teilzeitmodell einigt (z.B. 30 Wochenstunden), aber während der Ansparphase trotzdem Vollzeit arbeitet. Die geleisteten Überstunden und den nicht genutzten Urlaub kann man dann im Laufe des Sabbaticals abfeiern. Während der Ansparphase und des Sabbaticals erhält man monatlich das Teilzeitgehalt. 
  3. Da man bei beiden Modellen auch während des Sabbaticals regelmäßig Gehalt bezieht und der Arbeitgeber somit auch die Sozialversicherungsbeiträge bezahlt, bleibt man in dieser Zeit auch weiterhin sozialversichert.
  4. Während des Sabbaticals bleibt das Beschäftigungsverhältnis an sich bestehen und wird nicht beendet. Allerdings ist man zur Arbeitsleistung selbst nicht verpflichtet, ebensowenig der Arbeitgeber zur Auszahlung des Gehalts. Trotzdem bleiben Goodies wie Kündigungsschutz oder Urlaubsanspruch bestehen. Heißt: Trotz Sonderurlaub stehen einem man nach der Rückkehr die vertraglich geregelten Urlaubstage zu.

Für Kurzentschlossene ist diese Variante eher ungeeignet, da man in Abstimmung mit dem Arbeitgeber diese Arbeitszeitmodelle langfristig planen und Plusstunden bzw. das einbehaltene Gehalt über einen längeren Zeitraum aufbauen muss.

Letztendlich muss jeder für sich selbst die richtige Option wählen. Für uns beide fühlen sich die Entscheidungen, die wir in diesem Zusammenhang getroffen haben, richtig an. Und darauf kommt es schlussendlich an.

Noch Fragen?

Wenn ihr Fragen rund um diese Themen habt, mailt uns oder schreibt in die Kommentare. Wir helfen euch gerne weiter. 

Weitere Infos, Tipps & Tricks rund um das Thema Weltreisevorbereitung findet ihr in unserer Rubrik „Questions & Answers: Weltreise“. Up next: Was machen wir mit unserer Wohnung während unserer Weltreise?

euer selectedjungle

 

Die zusammengestellten Informationen haben wir mit größter Sorgfalt verfasst und basieren ausschließlich auf unseren persönlichen Erfahrungswerten und Recherchen. Da wir beide aber weder Mitarbeiter bei der Agentur für Arbeit sind noch das Gesetzbuch für Arbeitsrecht auswendig gelernt haben und Gesetze und Regelungen sich stetig ändern, können wir Vollständigkeit & Korrektheit dieser Infos nicht garantieren

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